AKTUELLES

Fotos von "mission 7" - 24.08.2018


FACEBOOK NEU - 19.8.2018

 

Bisher waren wir auf FACEBOOK nur als Gruppe "Tua wos" vertreten und das hat sich heute geändert.

Ab sofort gibt es eine eigene Seite "Tua wos-Häuser für Srebrenica" auf der wir alle Aktivitäten und News posten werden.

Wir hoffen, dass wir damit noch mehr Menschen erreichen, die unsere Arbeit verfolgen und vielleicht auch unterstützen können.

Danke an alle Facebook-User, die mit einem "Gefällt mir" auch wos tuan!


Nachbericht m7 - 13.8.2018

Baureise “mission srebrenica 7”

 

Ein Nachbericht von Julia Timmerer-Maier, die das erste Mal dabei war.

 

Vom 22. bis 28. August sind gesamt 8 Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftlichen Schulen Kleßheim im Rahmen des einzigartigen Schul-Sozialprojekts „Tua wos““ gemeinsam mit vier Lehrern und drei Begleitpersonen nach Bosnien aufgebrochen, um ein durch Spenden finanziertes Haus für die Familie Masic zu bauen.

 

Betreut und unterstützt wurde das Team aus Kleßheim von der Organisation “Bauern helfen Bauern”.

 

Eine Woche, die ich niemals vergessen werde!

 

Einen Bericht darf ich schreiben, haben sie gesagt, einen Bericht über meine Zeit in Srebrenica, über den Hausbau und die Menschen. Toll, dachte ich, da kann ich alles verarbeiten, was in dieser Woche an Eindrücken auf mich eingeprasselt ist.

 

Aber wo fängt man da am besten an? Wie kommt es überhaupt dazu, dass sich eine Hand voll junger Menschen auf den 12 Stunden langen Weg in ein fremdes Land machen, um dort mit vereinten Kräften ein Haus für eine junge Familie zu bauen? Wie es dazu kommt, lässt sich relativ einfach erklären: wenn sich Menschen wegen ihrer Herkunft und Religion streiten, nicht mögen, ja sogar hassen, dann kommt es dazu, dass schreckliche Dinge passieren. Dinge wie Kriege und Dinge wie der Völkermord von Srebrenica, wo über 8.000 Menschen, vorwiegend bosniakische Männer von jung bis alt, getötet wurden - einfach so. Und das, was davon übrig geblieben ist, sind Menschen ohne Angehörige, ohne Besitztümer, eigener Häuser und ohne Mittel sich ein halbwegs angenehmes Leben zu leisten.

 

 

Werde ich unangenehme Dinge sehen?

 

Mit diesem Vorwissen im Gepäck und den Erzählungen meines Vaters, der seit mittlerweile sieben Jahren gemeinsam mit Schülern der landwirtschaftlichen Schule in Kleßheim nach Bosnien fährt, um dort Häuser für eben diese Menschen ohne Besitztümer zu bauen, bin ich die Reise ins unbekannte Land also angetreten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings keine Ahnung, was mich in dieser Woche wirklich erwarten wird – wie sehen die Häuser dort aus? Ist es dort sicher? Wie sind die Menschen? Wie wird mit der Vergangenheit dort umgegangen? Werde ich unangenehme Dinge sehen?

 

Ich war voller Fragen, immerhin war ich noch nie so direkt mit Krieg konfrontiert. Aber trotzdem war ich offen, neugierig und voller Vorfreude. Je näher wir bei unserer Autofahrt Bosnien und Srebrenica kamen, desto mehr wurde mir klar, dieses Land ist anders als Österreich. Angefangen bei der Landschaft, den Häusern bis hin zu den Straßenstandards und vor allem Lebensstandards. Menschen laufen auf den Straßen herum, es liegt sehr viel mehr Müll auf den Wegen und in den Wiesen und der Verkehr ist ebenfalls etwas mit Vorsicht zu genießen, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

 

Einschusslöchern, ruinierte Bauten, leerstehende Häuser

 

Es war bereits dunkel, als wir in Srebrenica bei unserer Pension angekommen sind, aber trotzdem konnte man ein bisschen vom Ort beim Vorbeifahren wahrnehmen. Gleich fielen mir die Häuser mit Einschusslöchern auf, ruinierte Bauten, leerstehende Häuser aber auch Geschäfte und einigermaßen belebte Lokale, eine große Schule mit einem großen Sportplatz. In der Pension angekommen wurden wir sehr herzlich begrüßt, man kannte unsere Gruppe bzw. die Gruppenleiter noch von den Vorjahren und so fühlte ich mich auch gleich sehr wohl. Ein anstrengender Anreisetag, jetzt nur noch ab ins Bett und neugierig auf den nächsten Tag sein.

 

Gemischte Gefühle am ersten Tag

 

Der erste Tag versprach jedoch keine leichte Kost, wir fuhren zur Gedenkstätte des Massakers von Srebrenica, wo uns einer der Überlebenden erzählte, wie es sich damals abspielte, als er unter anderem zusehen musste, wie sein Vater und sein Zwillingsbruder auf der Flucht starben. Wir hörten und sahen, wozu Menschen imstande sein können und wie eine Ethnie auf grausamste Weise regelrecht ausgerottet wurde. Ich denke, ich war nicht die einzige, die dabei einen riesengroßen Kloß im Hals stecken hatte. Dieses mulmige Gefühl hatte wohl jeder von uns und kam mir doch noch ein paar Mal unter. Die wohl wichtigste Botschaft hat uns unser Vortragender, Hasan Hasanovic, gut deutlich gemacht: Den Menschen hier geht es nicht darum, sich an irgendjemanden dafür zu rächen, was passiert ist. Der größte Wunsch ist es, dass dieser schreckliche Genozid – Völkermord – einfach nur zugegeben wird, dass gesagt wird: „Ja, es war ein Fehler, der so nicht hätte passieren dürfen!“ Leider ist dies bei sehr vielen nicht der Fall, es gibt nach wie vor Menschen, die den Genozid leugnen, für die dieser nie passiert ist - traurig aber wahr.

 

Tag 1 versprach aber auch positive Dinge, nach dem Besuch des großen Friedhofs gegenüber der Gedenkstätte, fuhren wir zu unserer Baustelle. Voller Motivation und Freude kamen wir dort an und wurden gleich von der kleinen Ema, die fünfjährige Tochter der künftigen Hausbesitzer Almir und Sabina, herzlich mit einem kecken “Hello!” empfangen. Auch Almir, Sabina, der Vater von Almir und unser Vorarbeiter bzw. „Polier“ Senahid empfingen uns sehr herzlich. Senahid kennt die Gruppe Tua wos auch schon seit sieben Jahren und war überglücklich wieder mit uns zu arbeiten. Das Fundament und die Grundpfeiler standen bereits, nun hieß es loslegen und Gas geben! Schon nach wenigen Minuten hatten einige von uns Aufgaben von Senahid bekommen und ich hatte die Ehre den ersten Nagel in die Pfosten zu schlagen – peinlicherweise traf ich den Kopf eher selten und am Ende war der Nagel schief eingeschlagen, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Und genau so war es auch, wir sind alle mit unseren Aufgaben immer besser zurecht gekommen und wurden immer flinker und vor allem sauberer beim Arbeiten. Dennoch gab es laut Senahid ab und an eine „große Katastroph“, die uns wieder um einige Schritte nach hinten warf und wir durften wieder von vorne beginnen, trotzdem mit Freude und Ehrgeiz. Auch Senahid gab einem trotzdem das Gefühl gute Arbeit zu leisten und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen.

Natürlich machten wir auch Pausen, es gab mindestens einmal pro Tag frischen Kaffee. Diese Kaffeepausen sind den Bosniern wirklich sehr wichtig und wer keinen Kaffee trinken wollte - so wie ich - brauchte eine wirklich sehr gute Ausrede um auch nicht unhöflich zu wirken. Das Mittagessen auf der Baustelle war jeden Tag wahnsinnig lecker. Wir besorgten die Zutaten und unsere Hausherrin hat uns jeden Tag aufs Feinste bekocht, von Fleisch bis Gemüse war für jeden etwas dabei, auch die Nachspeisen waren wahnsinnig gut und vor allem sehr süß - Stichwort: Glasur mit 8 Espressotassen Zucker!

 

Wer braucht schon Worte?

 

Die Zusammenarbeit funktionierte wirklich sehr gut zwischen Lehrern, Begleitpersonen und Schülern. Spannend war auch, dass die Kommunikation mit den Einheimischen, trotz Sprachbarrieren, irgendwie funktionierte. Senahid kann zum Glück einigermaßen gutes Deutsch, aber mit dem Hausbesitzer Almir konnten wir nur mit Händen und Füßen kommunizieren. Aber auch das funktioniert wunderbar. Ohne großer Worte kam mir vor, dass wir eine Beziehung zu den Menschen aufgebaut haben und wir uns auch so verstanden haben.

Sobald jeder seine Aufgabe hatte, ging es zackig dahin. Senahid konnte es nicht gerne sehen, wenn jemand eine halbe Sekunde nichts zu tun hatte. Dann hieß es gleich „gib Gaaaas!“ Und so wuchs das Haus Tag für Tag und nahm von außen und auch innen immer mehr Form an. Es war schön zu sehen, was man in so kurzer Zeit erschaffen kann, mit dem Willen zu helfen und der Unterstützung dies auch durchziehen zu können. Am Ende stand auf dem Sonnenhang ein Häuschen aus Holz, mit einer kleinen Terrasse, einem Balkon, zwei Etagen und einem gedeckten Dach. Errichtet mit sehr viel Ehrgeiz, Zusammenhalt aber vor allem mit sehr viel Liebe. Es war anstrengend aber wenn man an die glücklichen Gesichter von Almir, Sabina und vor allem Emma denkt, war es jeden Schweißtropfen und jede Anstrengung absolut wert!

 

Ich komme wieder!

 

Rückblickend auf meine erste Reise nach Bosnien (es wird nicht die letzte sein :-) ) kommen in mir unterschiedliche Gefühle auf, einerseits immer wieder dieses mulmige Gefühl, wenn ich an die Spuren des Krieges und an die Menschen denke, denen so vieles genommen wurde. Das macht mich wirklich traurig und begleitet mich auch jetzt immer wieder. Andererseits steigt in mir aber immer mehr der Wille und die Motivation auf, aktiv zu werden und etwas für die Menschen in Srebrenica zu tun - zu helfen. Ich hatte schon immer das Gefühl in mir „helfen“ zu wollen, meistens hat mir aber der Zugang gefehlt und vor allem hatte ich auch Angst vor der Traurigkeit, davor, dass es mir nahe gehen könnte, vielleicht zu nahe. Aber ich bin wirklich froh darüber, dass ich diese Erfahrung machen konnte, das Land, die Menschen und die Organisation “Bauern helfen Bauern” kennengelernt zu haben.

 

In diesem Sinne, erzählen Sie genau, so wie ich, jedem von diesem Projekt und so können wir weiter wachsen und unsere Begeisterung weitergeben - nach dem Prinzip der exponentiellen Steigerung. Unser Team freut sich über jede Spende, damit auch 2019 wieder mindestens ein Haus gebaut werden kann.

 

Bankverbindung:

 

Raiffeisenbank Siezenheim, BLZ: 35054

Konto: "Tua wos - Sozialprojekt", Kto-Nr: 1034255

IBAN: AT273505400001034255  BIC: RVSAAT2S054

 

Tagesberichte von "mission 7" - 9.8.2018

Ein abschließender Bericht von unserer heurigen Baureise ist in Arbeit, aber wir haben ja auch täglich und fast live auch heuer von unserer Arbeit und unserem Einsatz in Osmace in Bosnien im Blog berichtet.

Bitte nachlesen unter "www.tuawos7.blogspot.co.at"